B1.1Episode

Die erste WG

The First Flatshare

Alba moves into her first shared apartment in Cologne, where her flatmate Jonas immediately presents her with a four-page house rules document, overwhelming her with German regulations. Priya helps her understand the new routines, and a call with Liam offers perspective on the cultural differences.

The First Flatshare
0:00 / 0:00

Story

Alba steht in ihrem neuen Zimmer in Köln-Ehrenfeld und schaut sich um.

Es ist klein, aber hell – ein großes Fenster geht auf einen ruhigen Innenhof hinaus.

Die Wände sind weiß, der Boden ist aus altem Holz, und in der Ecke steht ein Bett, das eindeutig bessere Zeiten gesehen hat.

Aber es ist ihres.

Ihr erstes eigenes Zimmer in Deutschland.

Sie hat gerade ihre zwei Koffer ausgepackt – mehr Gepäck hat sie nicht mitgebracht – und fühlt sich gleichzeitig mutig und ein bisschen verloren.

Dann klopft es an der Tür.

Vor der Tür steht Jonas.

Er ist Mitte dreißig, trägt eine Hornbrille und ein akkurates Lächeln.

Neben ihm steht Priya, Ende zwanzig, mit einer Kaffeetasse in der Hand und einem freundlichen Nicken.

Jonas:Hallo Alba, herzlich willkommen!

Jonas:Ich bin Jonas, das ist Priya.

Jonas:Wir freuen uns sehr, dass du da bist.

Jonas:Ich habe dir die Hausordnung ausgedruckt.

Jonas:Vier Seiten – aber keine Angst, es ist eigentlich alles ganz logisch.

Alba nimmt das Dokument.

Vier Seiten.

Dios mío. Sie lächelt tapfer.

Alba:Danke!

Alba:Ich lese das...

Alba:natürlich sehr gerne.

Später, in der Küche, liest Alba die Hausordnung und trinkt einen Kaffee.

Sie liest laut, um die Wörter besser zu verstehen.

Alba:Der Müll muss jeden Dienstag und Freitag...

Alba:getrennt werden.

Alba:Sechs Tonnen?

Alba:In Sevilla haben wir drei.

Alba:Drei!

Priya:Ja, das ist am Anfang etwas verwirrend.

Priya:Die grüne Tonne ist für Biomüll, die gelbe für Plastik und Metall, die blaue für Papier...

Alba:Und die schwarze?

Priya:Restmüll – alles, was in keine andere Tonne darf.

Alba:Und die zwei kleinen?

Priya:Glas.

Priya:Einmal für Weißglas, einmal für Buntglas.

Alba starrt sie an.

Sie schreibt alles in ihr Handy.

Abends kocht Jonas in der Küche.

Alba möchte auch kochen – sie hat Hunger und denkt an Mutters Gazpacho.

Sie öffnet den Kühlschrank.

Jonas:Das linke Fach ist meins, das mittlere ist Priyas, das rechte kannst du benutzen.

Alba:Oh!

Alba:Entschuldigung.

Sie legt ihre Sachen ins rechte Fach.

Dann bemerkt sie, dass Jonas sein Gemüse nach Größe sortiert hat.

Später zeigt Jonas ihr noch den Rest der Hausordnung.

Die Waschmaschine darf man nur zwischen 8 und 21 Uhr benutzen.

Musik muss nach 22 Uhr leise sein.

Die Haustür muss immer abgeschlossen werden.

Besucher dürfen maximal drei Nächte bleiben.

Alba:Und wenn meine Mutter aus Sevilla kommt?

Alba:Sie bleibt manchmal eine Woche.

Jonas:Das müssen wir dann besprechen.

Alba nickt.

Sie findet Jonas ein bisschen...

kompliziert.

Aber er wirkt nicht unfreundlich – nur sehr, sehr deutsch.

Und Priya hat sie zum Frühstück am nächsten Morgen eingeladen.

Das ist ein gutes Zeichen.

Sie geht in ihr Zimmer, legt sich aufs Bett und schaut an die weiße Decke.

Vier Seiten Hausordnung.

Sechs Tonnen.

Ein geteilter Kühlschrank.

Noch im Bett greift Alba nach ihrem Handy.

Es ist kurz nach neun – in Sevilla wäre das früh, aber sie ist müde und braucht jemanden zum Reden.

Sie schreibt Liam eine kurze Nachricht: *„Kannst du kurz telefonieren?"* Dreißig Sekunden später klingelt es.

Liam:Wie ist die WG?

Liam:Sind deine Mitbewohner nett?

Alba:Ja, ich glaube schon.

Alba:Jonas ist...

Alba:sehr organisiert.

Alba:Er hat mir heute eine Hausordnung gegeben.

Alba:Vier Seiten, Liam.

Alba:Vier!

Liam:*(lacht)*Oh right. Das kenne ich.

Liam:In meiner WG gibt es auch eine Liste.

Liam:Aber nur zwei Seiten – ich dachte, das ist normal.

Alba:Zwei Seiten ist normal?!

Alba:¡Ay! Und der Müll!

Alba:Ich muss jetzt sechs verschiedene Tonnen benutzen.

Alba:In Spanien haben wir das nicht so...

Alba:kompliziert gemacht.

Liam:In England auch nicht.

Liam:Aber weißt du was?

Liam:Ich finde es inzwischen gar nicht so schlecht.

Liam:Man muss einfach wissen: Plastik darf nicht in die schwarze Tonne, Papier muss in die blaue...

Alba:Du klingst schon wie ein Münchner.

Liam:Gott bewahre.

Liam:Aber im Ernst, Alba – die Hausordnung ist nicht nur Stress.

Liam:Sie zeigt auch, wie man hier zusammenlebt.

Liam:Jeder hat seine Regeln, und wenn alle mitmachen, funktioniert es.

Alba:Ja, vielleicht.

Alba:Jonas hat mir heute auch erklärt, dass die Waschmaschine nur bis 21 Uhr laufen darf.

Alba:In Sevilla habe ich manchmal um Mitternacht gewaschen.

Liam:Um Mitternacht?

Liam:Das darfst du hier auf keinen Fall.

Alba:Das weiß ich jetzt!

Alba:Aber Priya ist sehr nett.

Alba:Sie hat mir einen Kaffee angeboten und alles ruhig erklärt.

Alba:Ich glaube, wir werden Freundinnen.

Liam:Siehst du?

Liam:Es wird schon.

Liam:Und ich?

Liam:Ich muss morgen früh um sieben Uhr online meinen neuen Termin buchen.

Alba:¡Buena suerte! Und diesmal: das Meldeamt, nicht das Standesamt!

Liam:Das werde ich nie vergessen.

Comprehension Quiz