Das Büdchen
The Kiosk
On a grey Saturday afternoon, Alba discovers the local "Büdchen" and meets its owner, Günter. She learns that in Cologne, a Büdchen is more than just a kiosk; it's a vital social hub and a "feeling" of the neighborhood.

Story
Es ist ein grauer Samstagnachmittag Ende November, und Alba hat nichts vor.
Jonas ist bei seinen Eltern, Priya besucht eine Freundin, und die Wohnung ist ungewohnt still.
Alba sitzt eine Weile auf ihrem Bett und schaut auf ihr Handy.
Dann schaut sie aus dem Fenster.
Dann wieder auf das Handy.
*Vamos, Alba.
Du wohnst in Köln.
Geh raus.*
Sie zieht ihre Jacke an, wickelt sich einen Schal um den Hals – *¡Ay, qué frío!* – und geht die Treppe hinunter.
Auf der Straße bleibt sie kurz stehen.
An der Ecke, keine dreißig Meter entfernt, steht ein kleiner Kiosk.
Ein Büdchen, wie Jasmin es nennt.
Alba ist noch nie dort gewesen.
Sie geht hin.
Das Büdchen ist kaum größer als ein Gartenhaus.
Durch das kleine Fenster sieht Alba Zeitschriften, Süßigkeiten, Zigaretten und eine beeindruckende Auswahl an Kölsch-Flaschen.
Ein Mann Mitte sechzig lehnt an der Theke – der Besitzer, schätzt Alba.
Er trägt einen dicken Pullover und schaut sie freundlich an, als sie näher kommt.
Besitzer:Moin!
Besitzer:Was darf's sein?
Alba:Hallo.
Alba:Ich hätte gerne...
Alba:ein Kölsch, bitte.
Günter:Ein Kölsch!
Günter:Gute Wahl." *(greift in den Kühlschrank)* „Bist du neu hier in der Gegend?
Alba:Ja, ich wohne seit ein paar Monaten in der Keplerstraße.
Alba:Ich bin aus Spanien.
Günter:Aus Spanien!
Günter:Schön.
Günter:Ich heiße Günter." *(streckt die Hand aus)*
Alba:Alba.
Alba:Freut mich." *(schüttelt die Hand)* „Ist es immer so...
Alba:ruhig hier?
Günter:Am Wochenende kommen mehr Leute.
Günter:Aber so ist das im November – alle bleiben zu Hause." *(lacht)* „Außer den Spaniern, anscheinend.
Alba lacht.
Sie nimmt das Kölsch und bleibt stehen – sie hat das Gefühl, dass man hier nicht einfach geht.
Alba:Darf ich fragen – was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Büdchen und einem normalen Kiosk?
Günter:*(denkt kurz nach)* „Ein Büdchen ist...
Günter:ein Büdchen.
Günter:Das ist Köln.
Günter:In anderen Städten sagt man Tante-Emma-Laden oder Kiosk.
Günter:Aber hier sagen wir Büdchen.
Günter:Das ist einfach so.
Alba:Also ist es kein Laden, sondern ein...
Alba:Gefühl?
Günter:*(lacht laut)* „Genau!
Günter:Du hast es verstanden.
Günter:Ein Büdchen ist ein Gefühl." *(lehnt sich vor)* „Und weißt du, was das Beste ist?
Günter:Hier erfährst du alles, was in der Nachbarschaft passiert.
Günter:Wer neu eingezogen ist, wer Ärger mit dem Vermieter hat, wer neulich zu laut Musik gehört hat...
Alba:Dann bist du so eine Art...
Alba:Nachbarschafts-Zeitung?
Günter:Besser als jede Zeitung.
Günter:Und günstiger." *(zwinkert)*
Alba trinkt einen Schluck Kölsch.
Es ist kalt und leicht und schmeckt ein bisschen anders als das Bier, das sie kennt.
Aber es passt.
Es passt zu dem kleinen Kiosk, zu Günter mit seinem dicken Pullover, zu dem grauen Novembertag.
Eine ältere Frau kommt, kauft eine Packung Zigaretten und tauscht mit Günter in wenigen Sätzen Neuigkeiten aus.
Dann geht sie wieder.
Ein Junge kauft eine Tafel Schokolade.
Dann ist es wieder ruhig.
Günter:Und?
Günter:Gefällt dir Köln?
Alba:Ja, sehr.
Alba:Es ist...
Alba:offen hier.
Alba:Die Menschen reden mit einem.
Alba:Das kenne ich aus Sevilla.
Günter:Sevilla!
Günter:Schöne Stadt.
Günter:War mal da, vor vielen Jahren." *(nickt)* „Du wirst dich hier wohlfühlen.
Günter:Köln ist wie Sevilla – nur mit mehr Regen und schlechterem Wein.
Alba:*(lacht)* „Das stimmt leider.
Sie verabschiedet sich von Günter, steckt die Hände in die Jackentaschen und geht langsam nach Hause.
Der Nachmittag ist noch grau, aber irgendwie fühlt er sich weniger grau an als vorher.
Abends, noch mit dem Schal um den Hals, ruft Alba Liam an.
Alba:Liam, ich habe heute etwas Wichtiges entdeckt.
Liam:Das Büdchen?
Alba:Woher weißt du das?!
Liam:Du hast mir letzten Monat geschrieben, dass es an deiner Ecke eins gibt.
Liam:Ich dachte, du warst schon längst da.
Alba:Nein, heute war das erste Mal.
Alba:Und es war...
Alba:wunderbar.
Alba:Der Besitzer heißt Günter und weiß alles über die Nachbarschaft.
Alba:Er hat mir erklärt, dass ein Büdchen kein Laden ist, sondern ein Gefühl.
Liam:Ein Gefühl.
Liam:Das klingt sehr...
Liam:philosophisch für einen Kiosk.
Alba:Das ist kein Kiosk, Liam.
Alba:Das ist ein Büdchen.
Alba:Das ist Köln." *(Pause)* „Gibt es sowas auch in München?
Liam:Nicht wirklich.
Liam:In Bayern ist das Ladenschlussgesetz sehr streng – Läden machen früh zu, am Sonntag ist fast alles geschlossen.
Liam:Ein Büdchen, das abends noch offen hat, wäre hier wohl undenkbar.
Liam:Dafür gibt es an jeder Ecke eine Bäckerei.
Alba:Eine Bäckerei ist kein Treffpunkt.
Liam:Nein.
Liam:Aber das Brot ist sehr gut.
Alba:¡Ay, Liam!
Alba:Du wirst immer bayerischer.
Liam:Basst scho." *(lacht)*
Alba:Was bedeutet das?
Liam:Passt schon.
Liam:Ist gut so.
Liam:Das habe ich von einem Kollegen gelernt.
Alba:Siehst du?
Alba:Wir lernen beide.
Alba:Ich sage jetzt Büdchen statt Kiosk, du sagst Basst scho statt okay.
Liam:So funktioniert das wohl.
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