B1.1Episode

Liam fährt nach Köln (1/2)

Liam Goes to Cologne (Part 1)

Liam travels by train from Munich to Cologne to visit Alba, but his journey is plagued by delays. Upon arrival, they admire the Cologne Cathedral together before heading to the old town for food.

Liam Goes to Cologne (Part 1)
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Story

Es ist ein Freitagmorgen Anfang Dezember, und Liam steht mit einem kleinen Rucksack am Münchner Hauptbahnhof.

Er hat eine Fahrkarte nach Köln in der Tasche – vier Stunden und dreiundzwanzig Minuten, laut Plan.

Auf dem Handy hat er bereits die Zugverbindung, das Gleis, die Sitzplatznummer und eine Liste mit Dingen, die er in Köln sehen möchte, gespeichert.

Typisch Liam.

Alba hat ihm letzte Woche eine Nachricht geschickt: *„Nächstes Wochenende passt mir gut.

Ich zeige dir alles!"* Und darunter, als Nachsatz: *„Bring einen Regenschirm mit."*

Liam schaut auf die Abfahrtstafel.

Sein Zug steht drauf.

Gleis 18, pünktliche Abfahrt 9:14 Uhr.

Er geht zum Gleis, findet seinen Wagen, seinen Sitzplatz – Fenster, natürlich – und setzt sich.

Er ist zwölf Minuten zu früh.

*Well.

Das läuft doch ganz gut.*

Dann kommt die erste Durchsage.

Lautsprecher:Achtung auf Gleis 18.

Lautsprecher:Der ICE 517 nach Köln Hauptbahnhof hat heute voraussichtlich eine Verspätung von etwa zwanzig Minuten.

Lautsprecher:Wir bitten um Ihr Verständnis.

Liam:Liam schaut auf sein Handy.

Liam:Zwanzig Minuten.

Liam:*Okay.

Liam:That's fine.

Liam:Das ist noch okay.*

Eine halbe Stunde später rollt der Zug endlich aus dem Bahnhof.

Liam schaut aus dem Fenster, trinkt einen Kaffee aus dem Bordbistro und versucht, die Durchsagen zu verstehen.

Manche sind klar – Nächster Halt, bitte einsteigen –, andere verschwinden im Rauschen der Klimaanlage, bevor er auch nur die Hälfte verstanden hat.

Bei Augsburg kommt die nächste Durchsage.

Lautsprecher:Meine Damen und Herren, aufgrund einer Störung im Betriebsablauf kommt es zu einer weiteren Verzögerung von circa fünfundzwanzig Minuten.

Lautsprecher:Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.

Liam:Liam tippt Alba eine Nachricht: *„Kleine Verspätung.

Liam:Alles gut."*

Alba:Alba antwortet sofort: *„Wie viel?"*

Liam:*„45 Minuten insgesamt, glaube ich."*

Alba:*„¡Ay! Willkommen bei der Deutschen Bahn, Liam."*

Bei Nürnberg steigt ein älterer Herr ein und setzt sich Liam gegenüber.

Er legt eine Zeitung auf den Tisch, schaut kurz auf und nickt.

Liam nickt zurück.

Zehn Minuten Stille.

Herr:*(ohne von der Zeitung aufzuschauen)* „Auch nach Köln?

Liam:Ja, genau.

Herr:Zum ersten Mal?

Liam:Ja.

Liam:Ich besuche eine Freundin.

Herr:*(nickt)* „Schöne Stadt, Köln.

Herr:Laut.

Herr:Aber schön." *(blättert um)* „Der Dom ist beeindruckend.

Liam:Das habe ich auch gehört.

Der Herr nickt noch einmal und liest weiter.

Das war das ganze Gespräch.

Liam findet das irgendwie sympathisch.

Kurz vor Frankfurt kommt die nächste Durchsage – diesmal auf Deutsch und auf Englisch.

Der Speisewagen sei geschlossen, heißt es, wegen eines technischen Problems.

Liam:*(leise, für sich)* „Of course it is.

Der Zug erreicht Köln mit insgesamt achtundvierzig Minuten Verspätung.

Als Liam auf den Bahnsteig tritt, ist es bereits dunkel.

Die Kölner Luft riecht anders als München – feuchter, ein bisschen nach Fluss.

Und dort, am Ende des Bahnsteigs, steht Alba.

Sie trägt eine leuchtend rote Jacke und winkt übertrieben enthusiastisch.

Alba:Liam!!

Alba:Endlich!

Alba:Ich dachte schon, die Bahn hat dich verschluckt.

Liam:*(lacht)* „Fast.

Liam:Aber ich bin da.

Alba:*(schaut ihn an)* „Du trägst eine Krawatte.

Alba:Im Zug.

Alba:An einem Freitagabend.

Liam:Ich...

Liam:wollte einen guten ersten Eindruck machen.

Alba:Auf wen?

Alba:Den Schaffner?

Liam zieht die Krawatte aus und steckt sie in den Rucksack.

Alba lacht und nimmt ihn am Arm.

Alba:Komm.

Alba:Ich zeige dir Köln.

Sie gehen zusammen aus dem Bahnhof – und dann sieht Liam ihn.

Den Dom.

Riesig, dunkel, direkt vor ihm, beleuchtet gegen den Nachthimmel.

Er bleibt stehen.

Liam:Oh.

Alba:*(lächelt)* „Ja.

Alba:Das ist der Dom.

Liam:Der ist...

Liam:sehr groß.

Alba:Neunhundert Jahre alt.

Alba:Und direkt neben dem Bahnhof.

Alba:Das erste Mal hat mich das auch sprachlos gemacht.

Sie stehen eine Weile nebeneinander und schauen nach oben.

Irgendwo in der Ferne spielt jemand Gitarre.

Der Rhein ist noch nicht zu sehen, aber man kann ihn fast ahnen – eine dunkle Weite hinter den Lichtern.

Liam:Ich glaube, ich verstehe jetzt, warum du hier geblieben bist.

Alba:Wegen des Doms?

Liam:Wegen...

Liam:all dem." *(kurze Pause)* „Zeig mir mehr.

Alba:¡Vamos! Aber zuerst: Hunger?

Liam:Der Speisewagen war kaputt.

Liam:Ich habe seit München nichts gegessen.

Alba:¡Dios mío! Dann wird es Zeit.

Alba:Ich kenne ein Restaurant in der Altstadt – gute Küche, vernünftige Preise, und der Kellner duzt dich sofort.

Alba:Du wirst es lieben.

Liam:Den Kellner, der mich duzt?

Alba:Das Essen.

Alba:Aber den Kellner auch, versprochen.

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