Silvester in München
Oud en Nieuw in München
Liam viert zijn eerste oudejaarsavond in München en is eerst overdonderd door het luide vuurwerk, maar geniet uiteindelijk van de avond, het gezelschap van zijn buurman en het gevoel van een nieuw begin. Later appt hij Alba, wisselt nieuwjaarsvoornemens met haar uit en besluit hij moediger te zijn en haar in de lente naar München uit te nodigen.

Verhaal
Es ist der 31. Dezember, und Liam hat Pläne.
Konkrete Pläne.
Er hat eine Flasche Sekt im Kühlschrank – er hat extra nachgefragt, was man in Deutschland zu Silvester trinkt –, er hat eine Liste mit guten Vorsätzen für das neue Jahr angefangen, und er hat seinem Kollegen Thomas versprochen, um Mitternacht kurz auf die Straße zu kommen, „um das Feuerwerk zu sehen“.
Thomas hatte dabei ein Lächeln gehabt, das Liam im Nachhinein hätte misstrauisch machen sollen.
Liam stellt sich Silvester in München so vor: ein paar Raketen am Himmel, ein schöner Moment, vielleicht ein Glas Sekt mit den Nachbarn, und dann früh ins Bett.
Ordentlich. Kontrolliert.
Deutsch, sozusagen.
Er hat sich geirrt.
Um kurz vor Mitternacht zieht Liam seine Jacke an und geht nach unten.
Die Straße vor seinem neuen Zuhause – eine ruhige Seitenstraße in Schwabing, die er nach der Massenbesichtigung tatsächlich bekommen hat – sieht aus wie kurz vor einer Schlacht.
Auf dem Gehsteig stehen Gruppen von Menschen mit Raketen, Böllern und Feuerwerkskörpern in allen Größen.
Jemand hat mitten auf der Straße eine Batterie aufgestellt, die aussieht, als könnte sie ein mittelgroßes Gebäude beleuchten.
Ein Kind – begleitet von einem Erwachsenen, der mindestens genauso aufgeregt wirkt – hält eine Wunderkerze in die Höhe.
Liam:„Oh. Oh no.
Dann schlägt die Uhr Mitternacht.
Was folgt, lässt sich schwer beschreiben.
Liam versucht es später trotzdem: überall gleichzeitig.
Von allen Seiten.
In verschiedenen Farben und mit verschiedenen Lautstärken, die alle zusammen eine einzige, endlose Explosion ergeben.
Der Himmel über München ist orange, rot, grün, weiß – und dazu riecht die Luft nach Schießpulver, und irgendwo in der Nähe hat jemand eine Rakete abgeschossen, die knapp am Dachvorsprung vorbeigeflogen ist.
Liam:Liam steht auf dem Gehsteig, die Hände tief in den Jackentaschen, und blinzelt.
Sein Nachbar – ein Münchner um die fünfzig, den Liam bisher nur flüchtig gegrüßt hat – stellt sich neben ihn.
Nachbar:Erstes Silvester in München?
Liam:Ist es so offensichtlich?
Nachbar:„Ein bisschen. Frohes neues Jahr!“
Liam:Oh – danke. Frohes neues Jahr.
Sie stoßen an. Liam schaut dabei – inzwischen aus Gewohnheit – dem Nachbarn direkt in die Augen.
Der Nachbar nickt anerkennend.
Über ihnen explodiert eine besonders große Rakete in einem perfekten goldenen Kreis.
Liam:Ist das ... legal?
Liam:All das?
Nachbar:Privates Feuerwerk ist an Silvester erlaubt.
Nachbar:Ab dem ersten Januar wieder verboten.
Liam:Nur eine Nacht im Jahr.
Nachbar:Nur eine Nacht.
Nachbar:Dafür aber richtig.
Liam:Liam schaut wieder auf den Himmel.
Liam:Die ganze Straße leuchtet, die ganze Stadt leuchtet, und irgendwo weit weg – wahrscheinlich direkt nebenan – lacht jemand sehr laut.
Liam:Er denkt kurz an Silvester in Manchester: ein paar Freunde, ein Pub, um Mitternacht eine Umarmung und ein altes schottisches Lied.
Liam:Ruhig. Vertraut.
Das hier ist nicht ruhig.
Das hier ist auch nicht besonders vertraut.
Aber der Sekt ist gut, sein Nachbar ist netter als erwartet, und der goldene Kreis über ihnen verblasst gerade langsam in den schwarzen Himmel.
Liam:*Not bad*, denkt Liam. *
Liam:Wirklich nicht bad.*
Er bleibt noch eine halbe Stunde auf der Straße.
Um halb eins geht er wieder hoch, gießt sich ein zweites Glas Sekt ein und setzt sich ans Fenster.
Draußen knallt es noch vereinzelt.
Er holt sein Notizbuch heraus und schreibt:
*Gute Vorsätze für das neue Jahr:* *1. Öfter rausgehen.
Auch wenn es laut wird.*
*2. Weniger entschuldigen, mehr machen.*
*3. Alba im Frühling nach München einladen.
Wirklich.*
Er überlegt kurz, dann fügt er einen vierten Punkt hinzu:
*4. Eine Lederhose kaufen.*
Er schaut den Satz an.
Dann streicht er ihn durch.
*Vielleicht nächstes Jahr.*
Um kurz nach eins schreibt Liam Alba eine Nachricht:
Liam:Frohes neues Jahr aus München.
Liam:Das Feuerwerk war ... unerwartet.
Liam:Ich lebe noch.
Alba:Alba antwortet fast sofort – sie ist offenbar noch wach.
Alba:*„¡Feliz año nuevo!
Alba:Hier in Köln auch überall Feuerwerk.
Alba:Jonas hat um 0:02 Uhr angefangen, die Küche zu putzen.
Alba:Ich glaube, das ist seine Art zu feiern.“*
Liam:Liam lacht.
Liam:*„Hast du Vorsätze für das neue Jahr?“*
Kurze Pause. Dann:
Alba:*„Ja. Ich will mutiger werden.
Alba:Auf Deutsch. Weniger im Kopf übersetzen, mehr einfach sagen.“*
Liam:*„Das ist ein guter Vorsatz.“*
Liam:*„Und du?“*
Liam:Liam schaut auf sein Notizbuch.
Liam:Die drei – vier, dann drei – Punkte auf der Seite.
Liam:*„Öfter rausgehen.
Liam:Weniger entschuldigen.
Liam:Und dich endlich im Frühling nach München holen.“*
Alba:*„Das Letzte zählt als Vorsatz nicht.
Alba:Das ist eine Pflicht.“*
Liam:zwei Vorsätze und eine Pflicht.
Alba:Perfekt. Gute Nacht, Liam.
Alba:Frohes neues Jahr.
Liam:*„Gute Nacht, Alba.“*
Er legt das Handy weg, trinkt den letzten Schluck Sekt und schaut noch einmal aus dem Fenster.
Die Stadt ist ruhiger jetzt, nur ab und zu ein einzelner Knall in der Ferne.
München in der Nacht, mit dem leichten Geruch von Schießpulver und dem Gefühl, dass etwas anfängt.
Ein neues Jahr.
Das zweite in Deutschland.
Liam:*Well*, denkt Liam. *
Liam:Mal sehen.*
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