B1.1Épisode

Dienstreise nach Hamburg

Voyage d'affaires à Hambourg

Liam part à Hambourg pour un projet de deux jours et découvre que le nord de l’Allemagne est très différent de la Bavière : plus direct, plus calme et ponctué de « Moin ». Entre une réunion efficace, l’ambiance du port et un sandwich au hareng, il comprend que l’Allemagne est composée de régions très différentes.

Voyage d'affaires à Hambourg
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Histoire

Liam hat in den letzten sieben Monaten viel über Deutschland gelernt.

Er weiß, dass man beim Anstoßen in die Augen schaut.

Er weiß, dass man sich für eine Wohnung bewirbt wie für eine Stelle.

Er weiß, dass „basst scho" Zustimmung bedeutet und dass man in Düsseldorf kein Kölsch bestellt – das hat er von Alba gelernt.

Aber er hat bisher nur ein Deutschland kennengelernt: das bayerische.

Das ändert sich diese Woche.

Sein Unternehmen schickt ihn für zwei Tage nach Hamburg – ein Projekt mit einem norddeutschen Partnerunternehmen, Abstimmungsgespräche, ein Abendessen mit dem Hamburger Team.

Liams Kollege Thomas hat ihn am Montag kurz angeschaut und gesagt: „Hamburg ist anders.

Wie anders?

Thomas hat überlegt.

„Weniger laut. Mehr Hafen.

Die sagen ‚Moin' zu allem.

Was bedeutet ‚Moin'?

Guten Morgen. Guten Tag.

Guten Abend. Hallo.

Tschüss. Alles.

Liam hat das in sein Notizbuch geschrieben.

Er nimmt den Frühzug.

Fünf Stunden und siebenundzwanzig Minuten, laut Plan – mit dreiundzwanzig Minuten Verspätung, was Liam inzwischen als akzeptabel verbucht.

Er hat ein Buch dabei, seinen Laptop und eine ordentliche Liste mit Gesprächspunkten für das Meeting.

Typisch Liam.

Der erste Eindruck am Hamburger Hauptbahnhof: größer als erwartet, luftiger als München, und überall dieser leichte Geruch nach Regen und Salz, der von irgendwoher kommt, obwohl das Meer eigentlich weit weg ist.

Im Hotel – ein nüchternes Geschäftsreisehotel in der Nähe der HafenCity – checkt Liam ein.

Die Dame an der Rezeption schaut kurz auf:

Rezeptionistin:Moin.

Liam:Guten Tag.

Rezeptionistin:(tippt, ohne aufzuschauen) Moin.

Liam schaut sich kurz um.

Es ist halb vier nachmittags.

Moin, denkt er.

Also doch.

Das Partnerbüro liegt in der Speicherstadt – den alten Backsteinlagerhäusern am Kanal, die heute Büros, Museen und Agenturen beherbergen.

Liam kommt zehn Minuten zu früh, steht kurz auf der Brücke über dem Kanal und schaut auf das dunkle Wasser zwischen den rotbraunen Mauern.

Der Himmel ist grau, ein Wind kommt vom Hafen, und irgendwo zieht langsam ein Binnenschiff vorbei.

Interesting, denkt er.

Das ist wirklich sehr interesting.

Im Büro wird er von seiner Hamburger Ansprechpartnerin empfangen: Britta, Ende dreißig, kurze Haare, Handschlag ohne viel Aufheben.

Britta:Moin. Gut hergekommen?

Liam:Ja, danke. Dreiundzwanzig Minuten Verspätung.

Britta:(nickt) War noch gut.

Das Meeting läuft sachlich und effizient.

In München gibt es immer ein bisschen Smalltalk vorweg, ein paar Minuten über das Wetter oder das Wochenende, bevor man zum Punkt kommt.

Britta und ihr Team kommen fast sofort zum Punkt.

Nicht unfreundlich – nur direkt.

Als wäre jedes Wort vorher abgewogen worden.

Nach zwei Stunden sind die Gesprächspunkte abgehakt.

Britta macht ihren Laptop zu.

Britta:Gut. Wir schicken Ihnen die Zusammenfassung bis Donnerstag.

Liam:Sehr schön. Darf ich fragen – gibt es hier in der Nähe eine Empfehlung für heute Abend?

Liam:Ich kenne Hamburg nicht.

Britta überlegt eine Sekunde.

Dann: „Gehen Sie zur Elbe.

Fischmarkt-Gegend.

Ein Fischbrötchen vom Stand – kein Restaurant, ein Stand.

Das reicht.

Liam:Ein Fischbrötchen.

Britta:Bismarck oder Matjes.

Britta:Nicht beides auf einmal.

Das klingt wie eine Anweisung.

Liam notiert es.

Er folgt Brittas Rat.

Die Elbe ist breit und grau und beeindruckend, die Containerschiffe am Hafen schaukeln kaum sichtbar auf dem Wasser.

An einem kleinen Stand kauft er sich ein Matjesbrötchen und isst es auf einer Bank mit Blick auf den Fluss.

Ein älterer Herr setzt sich ans andere Ende der Bank, schaut ebenfalls auf die Elbe und sagt:

Herr:Moin.

Liam:Moin.

Der Herr nickt.

Mehr passiert nicht.

Nach fünf Minuten steht er auf und geht.

Liam schaut ihm nach.

In München hätte das Ehepaar Huber eine halbe Stunde mit ihm geredet.

In Köln hätte Günter sofort seinen Namen gewusst.

Hier: ein Wort, ein Nicken, fertig.

Und irgendwie, denkt Liam, ist das auch in Ordnung.

Er sitzt noch eine Weile.

Das Matjesbrötchen ist ausgezeichnet.

Der Wind ist kalt.

Der Hafen macht Geräusche, die er noch nicht einordnen kann – Ketten, Wasser, fernes Motorenrumoren.

Eine andere Welt als Schwabing.

Eine andere Welt als Köln.

Aber immer noch Deutschland.

Am Abend, zurück im Hotel, ruft Liam Alba an.

Alba:Liam! Wie ist Hamburg?

Liam:Grau. Windig. Sehr...

Liam:norddeutsch.

Alba:Was bedeutet das?

Liam:Die Menschen sagen ‚Moin' zu allem.

Liam:Morgens, abends, als Begrüßung, als Verabschiedung.

Liam:Meine Rezeptionistin hat es zweimal hintereinander gesagt, ohne ein anderes Wort dazwischen.

Alba:¡Dios mío! Und das Meeting?

Liam:Sehr effizient.

Liam:Kein Smalltalk, direkt zum Punkt.

Liam:In München macht man vorher noch ein bisschen Konversation.

Liam:Hier nicht.

Alba:Wie in England?

Liam hält inne.

Liam:Eigentlich... ja.

Liam:Eher wie in England.

Liam:Sachlich, direkt, kein großes Aufheben.

Liam:Das hätte ich nicht erwartet.

Alba:Vielleicht ist Deutschland gar nicht so einheitlich, wie wir denken.

Liam:Definitiv nicht.

Liam:Ich habe heute München, Köln und Hamburg verglichen und komme zu dem Schluss, dass das eigentlich drei verschiedene Länder sind.

Alba:(lacht) Das sagen die Deutschen selbst auch.

Alba:Jasmin sagt immer: ‚Der Bayer ist kein Deutscher, der ist ein Bayer.'

Liam:Thomas würde das nicht bestreiten.

Alba:Und was hat dir am besten gefallen?

Liam:(überlegt) Die Speicherstadt.

Liam:Diese alten Backsteingebäude am Kanal – sehr beeindruckend.

Liam:Und die Elbe. Man versteht sofort, warum Hamburg eine Hafenstadt ist.

Liam:Das Wasser gehört hier dazu, genauso wie der Rhein zu Köln gehört.

Alba:Und das Essen?

Liam:Matjesbrötchen.

Liam:Von einem Stand, auf einer Bank, mit Blick auf die Elbe.

Alba:Ein Fischbrötchen auf einer Bank.

Alba:Das klingt sehr...

Alba:nordisch.

Liam:Es war sehr gut.

Alba:Wer bist du und was hast du mit dem echten Liam gemacht?

Liam:(lacht) Ich entwickle mich.

Liam:(Pause) Alba, weißt du was?

Liam:Du hattest recht – man sollte öfter reisen.

Liam:Innerhalb Deutschlands, meine ich.

Liam:Jede Stadt ist noch einmal ein anderes Land.

Alba:Siehst du?

Alba:Ich habe immer recht.

Alba:(Pause) Aber als Nächstes kommt erst München für mich.

Alba:Das ist eine Pflicht.

Liam:Das vergesse ich nicht.

Liam:(kurze Pause) Gute Nacht, Alba.

Liam:Moin.

Alba:...Moin?

Liam:Das bedeutet alles.

Liam:Guten Abend, auf Wiederhören, schlaf gut.

Alba:(lacht) Moin, Liam.

Quiz de compréhension