Alba besucht München (3/3)
Alba visite Munich (3/3)
Liam fait découvrir Munich à Alba, du château de Nymphenburg à une auberge bavaroise, et elle se rend compte que la ville lui plaît bien plus qu’elle ne l’imaginait. À la gare, ils se quittent en comprenant que ce week-end a compté pour eux deux et qu’ils veulent se revoir en été.

Histoire
Der Sonntag beginnt besser als der Samstag: kein Regen, dafür Aprilsonne und eine Luft, die nach frisch gemähtem Gras riecht, obwohl weit und breit kein gemähter Rasen zu sehen ist.
München im April kann das.
Liam hat das Programm für heute früh erklärt: erst Schloss Nymphenburg, dann Mittagessen in einer Wirtschaft, dann Rückfahrt für Alba.
Er hat auch die Zugverbindungen herausgesucht – natürlich –, und Alba hat ihn dafür nicht einmal aufgezogen.
Sie hat einfach genickt und Kaffee getrunken.
Alba:Wie weit ist Nymphenburg?
Liam:Mit der Tram ungefähr zwanzig Minuten.
Alba:Und was ist es?
Liam:Ein Barockschloss.
Liam:Gebaut im siebzehnten Jahrhundert als Sommerresidenz der Wittelsbacher – das ist das bayerische Herrscherhaus.
Liam:Davor liegt ein großer Kanal, dahinter ein Park.
Alba:(schaut ihn an) Du hast das nachgeschaut.
Liam:Ich wollte es erklären können.
Alba:Du klingst wie Felix aus dem Deutschen Museum.
Liam:Das nehme ich als Kompliment.
Die Tram fährt westwärts durch ruhige Wohnviertel, und dann – am Ende der langen, geraden Nymphenburger Straße – taucht es auf: das Schloss, weiß und lang und symmetrisch, mit dem breiten Kanal davor, der die Fassade spiegelt.
Tulpen blühen an den Ufern.
Ein paar Enten treiben auf dem Wasser.
Eine Gruppe Touristen fotografiert, ohne dass es stört.
Alba bleibt auf dem Gehsteig stehen.
Alba:Das ist... das steht einfach so da.
Alba:Mitten in der Stadt.
Liam:Ja.
Alba:In Sevilla haben wir den Alcázar.
Alba:Aber der ist von Mauern umgeben.
Alba:Den sieht man nicht einfach von der Straße.
Liam:In München stellt man die Dinge gerne ins Offene.
Alba:Das passt. (Pause) Aber es ist auch ein bisschen...
Alba:selbstbewusst, oder?
Alba:So ein Schloss einfach hinzustellen.
Liam:Die Bayern sind nicht bekannt für Bescheidenheit.
Alba:Das habe ich gemerkt.
Sie gehen durch das Tor auf den Vorplatz, dann am Kanal entlang in Richtung Park.
Der Schlosspark hinter dem Gebäude ist weitläufig und ruhig – Wege, die sich zwischen alten Bäumen verlieren, kleine Seen, Pavillons, die aussehen, als wären sie für Märchen gebaut.
Liam und Alba gehen nebeneinander, ohne Eile.
Alba:Wie heißt der Pavillon da?
Liam:Das ist die Amalienburg.
Liam:Ein Jagdpavillon, gebaut im achtzehnten Jahrhundert.
Liam:Drinnen gibt es einen Spiegelsaal.
Alba:Einen Spiegelsaal in einem Jagdpavillon.
Liam:Die Wittelsbacher mochten es opulent.
Alba:Das sieht man. (lacht) Aber schön ist es.
Alba:Das alles ist wirklich schön.
Alba:(schaut auf die Baumkronen) Liam, ich muss dir etwas gestehen.
Liam:Was?
Alba:Ich habe gedacht, München wird mir nicht gefallen.
Liam:Wirklich?
Alba:Nicht weil es nicht schön ist.
Alba:Sondern weil...
Alba:ich dachte, es ist zu ordentlich für mich.
Alba:Zu geplant. Zu symmetrisch.
Liam:Und jetzt?
Alba:(überlegt) Jetzt denke ich: Die Ordnung hat auch etwas Befreiendes.
Alba:Man muss nicht selbst improvisieren, weil alles schon seinen Platz hat.
Alba:(kurze Pause) In Köln muss man immer ein bisschen kämpfen – mit dem Chaos, mit dem Lärm, mit dem Karneval.
Alba:Hier kann man einfach...
Alba:sein.
Liam:Das ist das schönste, was jemand je über München gesagt hat.
Alba:Sag das nicht den Kölnern.
Liam:Niemals.
Die Wirtschaft, die Liam ausgesucht hat, liegt zehn Minuten vom Schloss entfernt – ein niedriges Gebäude mit einem Wirtsschild über der Tür, Holztischen drinnen, karierten Tischdecken und einer Kreidetafel mit dem Tagesangebot.
Es riecht nach Bratenfett und Holz und nach einem langen Gastronomieleben.
Die Wirtin – eine Frau Ende fünfzig, schnelle Augen, freundliches Nicken – bringt die Speisekarte.
Alba:(liest) Schweinebraten.
Alba:Kalbsrahmbraten.
Alba:Sauerbraten. (Pause) Warum ist hier alles Braten?
Liam:Das ist Bayern.
Alba:Und was empfiehlst du?
Liam:Den Kalbsrahmbraten.
Liam:Mit Spätzle.
Alba:Was sind Spätzle?
Liam:Eine Art Nudeln, aber kürzer und unregelmäßiger.
Liam:Hausgemacht.
Alba:Unregelmäßige Nudeln.
Alba:Das klingt nach Köln.
Liam:(lacht) Nicht ganz.
Liam:Spätzle sind eigentlich schwäbisch.
Liam:Aber in Bayern isst man sie auch gern.
Alba bestellt den Kalbsrahmbraten.
Liam nimmt den Sauerbraten.
Die Wirtin nickt und geht, ohne etwas aufzuschreiben.
Alba:Sie hat nichts notiert.
Liam:Sie erinnert sich.
Alba:Woher weiß sie, wer was bestellt hat?
Liam:Das ist die Kunst der bayerischen Wirtin.
Das Essen kommt nach zwanzig Minuten: zwei dampfende Teller, großzügig, mit Soße, die nach langer Arbeit schmeckt.
Alba isst langsam und gründlich.
Liam tut dasselbe.
Irgendwann, zwischen dem zweiten und dritten Bissen, schaut Alba auf.
Alba:Liam.
Liam:Ja?
Alba:Das hier – dieses Wochenende – war sehr gut.
Liam:Ja. Das war es.
Alba:Ich meine nicht nur das Essen.
Liam:Ich weiß. (kurze Pause) Ich auch.
Die Wirtin kommt vorbei, schaut auf ihre Teller und nickt zufrieden – die stille Bestätigung einer Frau, die nach Jahrzehnten gelernt hat, dass zufriedene Gäste keine Worte brauchen.
Am Nachmittag, am Münchner Hauptbahnhof, stehen Liam und Alba vor dem Abfahrtsboard.
Der ICE nach Köln fährt in zwölf Minuten – voraussichtlich pünktlich.
Alba:Voraussichtlich pünktlich.
Alba:Das ist selten.
Liam:Genieße es.
Alba schultert ihren Rucksack.
Die Reisetasche ist schwerer als bei der Ankunft – Liam hat ihr eine Packung Lebkuchen eingesteckt, die er aus dem Schrank geholt hat, ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Alba:Wann kommst du nach Köln?
Liam:Im Sommer, wenn du willst.
Alba:Ich will.
Liam:Dann im Sommer.
Alba:(schaut ihn an) Liam, ich habe noch nie jemandem ein ganzes Wochenende lang meine Stadt gezeigt.
Alba:Nicht hier in Deutschland.
Alba:Das war das erste Mal.
Liam:Ich auch. Das erste Mal, dass jemand meiner Stadt wirklich zugehört hat.
Alba schaut ihn kurz an – einen Moment länger als nötig.
Dann nickt sie.
Alba:Gut. (lacht leise) Kölle Alaaf.
Liam:Basst scho.
Sie geht zum Gleis.
Liam bleibt stehen und schaut ihr nach, bis sie um die Ecke ist.
Dann dreht er sich um und geht durch den Bahnhof – durch die Menschenmenge, den Kaffeeduft, das Stimmengewirr – und denkt, dass München heute ein bisschen anders aussieht als sonst.
Heller vielleicht.
Oder er selbst schaut anders.
Beides möglich, denkt er.
Basst scho.
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