B1.1Episode

Rhein in Flammen

Rhine in Flames

Alba attends Rhine in Flames in Cologne with Mona and is deeply moved by the illuminated ships, the fireworks, and the cathedral. Later she tells Liam all about it, and he promises to come next year.

Rhine in Flames
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Story

Alba hat viel über deutsche Feste gelernt.

Karneval ist das lauteste.

Das Oktoberfest ist das größte.

Der Weihnachtsmarkt ist das gemütlichste.

Ostern ist das stillste.

Und dann gibt es Rhein in Flammen.

Mona hat ihr das Konzept vor drei Wochen erklärt, beim Volleyballtraining, mit der sachlichen Begeisterung einer Frau, die aufgehört hat, über schöne Dinge zu staunen, aber noch nicht aufgehört hat, sie zu genießen.

Einmal im Jahr gibt es Feuerwerk über dem Rhein.

Schiffe fahren beleuchtet auf dem Fluss, und dann gibt es Feuerwerk.

Zehntausende Menschen stehen am Ufer.

Es ist sehr groß.

Wie groß?

Sehr groß. (Pause) Du musst mitfahren.

Das war keine Einladung.

Das war eine Ansage.

Sie fahren mit der S-Bahn und sind trotzdem eine Stunde zu spät für einen guten Platz – was bedeutet, dass sie auf der Deutzer Brücke stehen, was Mona nach kurzer Überlegung als „eigentlich besser" erklärt.

Mona:Von der Brücke sieht man alles.

Mona:Den Dom, den Fluss, beide Ufer.

Alba:(schaut auf die Menschenmenge) Wie viele Leute sind hier?

Mona:Auf beiden Seiten zusammen?

Mona:Mindestens hunderttausend.

Alba:Hunderttausend.

Mona:Mindestens.

Alba schaut sich um.

Die Brücke ist voll, das Ufer ist voll, die Treppen sind voll.

Und auf dem Fluss – das ist das Eindrücklichste – fahren illuminierte Schiffe langsam stromaufwärts, beleuchtet in Rot und Gold und Weiß, ihre Spiegelbilder auf dem dunklen Wasser.

Alba:Die Schiffe sehen aus wie...

Alba:(sucht das Wort) ...wie ein Traum, der auf dem Wasser schwimmt.

Mona:(schaut sie an) Das ist der poetischste Satz, den du je gesagt hast.

Alba:Ich bin gerade überwältigt.

Mona:Warte auf das Feuerwerk.

Die Stimmung auf der Brücke ist die einer Menschenmenge, die auf etwas wartet und dabei schon glücklich ist.

Familien mit Kindern auf den Schultern.

Paare mit Thermoskannen.

Alle schauen in dieselbe Richtung: zum Dom, der im Abenddunkel über der Stadtsilhouette steht.

Dann beginnt das Feuerwerk.

Es ist lauter als Alba erwartet hat – nicht Silvester-laut, nicht das chaotische Knallen auf der Straße, sondern konzentriert, orchestriert, mit kurzen Pausen zwischen den Salven, die die Menge jeweils mit einem kollektiven Atemzug füllt.

Und es ist wunderschön.

Die Raketen steigen über dem Dom auf – Gold, Silber, Rot, Grün – und spiegeln sich im Rhein, sodass man nicht weiß, ob man nach oben oder nach unten schaut.

Der Dom steht im Zentrum von allem, beleuchtet von unten, und das Feuerwerk rahmt ihn ein wie ein Bild, das jeden Moment größer wird.

Alba fotografiert.

Dann hört sie auf zu fotografieren und schaut einfach.

Neben ihr sagt Mona nichts.

Das ist ungewöhnlich für Mona – aber manchmal ist Schweigen die richtige Reaktion.

Eine besonders große Rakete steigt auf, platzt in einem goldenen Kreis – und die Menge macht ein kollektives Ooooh, laut und unwillkürlich, hunderttausend Menschen gleichzeitig.

Alba macht es auch.

Sie kann nicht anders.

Später stehen sie noch eine Weile auf der Brücke.

Die Schiffe fahren weiter, ihr Licht spiegelt sich noch immer.

Der Dom steht. Köln steht.

Mona:Und?

Mona:Was denkst du?

Alba:Das war das Eindrucksvollste, was ich je an einem Fluss gesehen habe.

Alba:Und ich komme aus Sevilla.

Alba:Der Guadalquivir ist auch nicht schlecht.

Mona:Der Rhein ist größer.

Alba:Der Rhein.

Mona:Der Rhein. Ja. Grammatik.

Alba:(lacht) Der Rhein ist breiter.

Alba:Und heute Abend war er der schönste Fluss der Welt.

Mona:Das ist eine sehr diplomatische Antwort.

Alba:Ich bin seit fast zwei Jahren in Deutschland.

Alba:Ich habe Diplomatie gelernt.

Alba:(Pause) Aber ich bin froh, dass du mich mitgenommen hast.

Mona:Du hättest sonst auf dem Sofa gesessen und Liam angerufen.

Alba:Das mache ich trotzdem noch.

Mona nickt. Das ist akzeptabel.

Alba schreibt Liam, noch auf der Brücke:

Rhein in Flammen!

Zehntausende Menschen, Feuerwerk über dem Dom, Schiffe auf dem Fluss – das musst du auch mal sehen.

Die Antwort kommt nach zwei Minuten: „Steht auf der Liste, wie weit oben?

Ganz oben.

Dann komme ich.

Auf der Heimfahrt in der vollbesetzten S-Bahn ruft Liam an statt zu schreiben.

Liam:Erzähl mir alles.

Alba:Du hast meine Nachricht bekommen.

Liam:Drei Wörter und ein Foto, das zu dunkel ist.

Liam:Das ist nicht alles.

Alba lacht. Das Foto war tatsächlich zu dunkel.

Alba:Also. Die Schiffe fahren beleuchtet auf dem Rhein – das ist das Schönste.

Alba:Gold und Rot, und das Wasser spiegelt sie.

Alba:Dann beginnt das Feuerwerk, lauter als man denkt – konzentriert, nicht chaotisch.

Alba:Und der Dom steht mittendrin.

Alba:Das Feuerwerk rahmt ihn ein, von beiden Seiten, und er lässt sich nicht beeindrucken.

Liam:Das klingt wie eine sehr stabile Persönlichkeit für ein Gebäude.

Alba:Das ist Köln. Alles rundherum dreht durch, und der Dom steht.

Liam:Das klingt auch wie Köln im Allgemeinen.

Alba:Ja. (Pause) Und als die größte Rakete hochging, hat die ganze Menge gleichzeitig Ooooh gemacht.

Alba:Hunderttausend Menschen.

Alba:Alle gleichzeitig.

Liam:Das kenne ich. Das habe ich beim Deutschen Museum auch gemacht.

Liam:Bei der Teslaspule.

Alba:Genau das! Es gibt Momente, in denen alle Menschen dasselbe fühlen, und dann macht man diesen Laut, ohne nachzudenken.

Alba:(Pause) Das ist vielleicht das Deutscheste und das Menschlichste gleichzeitig.

Liam:Das ist ein kluger Satz.

Alba:Ich schreibe ihn auf.

Alba:(Pause) Liam, du kommst wirklich?

Alba:Nächstes Jahr, Rhein in Flammen?

Liam:Nächstes Jahr, Rhein in Flammen.

Liam:Das ist eine Pflicht.

Alba:Nein. (kurze Pause) Das ist ein Wunsch.

Eine kurze Stille – die angenehme Art.

Liam:Ja. Das ist ein Wunsch.

Alba:Gut. Gute Nacht, Liam.

Liam:Gute Nacht, Alba.

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