Ostern in Deutschland
عيد الفصح في ألمانيا
تبقى ألبا في كولونيا خلال عيد الفصح وتحتفل مع عائلة بريا بمزيج حيّ من التقاليد الألمانية والهندية والإسبانية. وهناك تدرك أن الانتماء والشعور بالبيت يمكن أن ينموا مع الوقت وفي أكثر من مكان.

القصة
Letztes Jahr ist Alba zu Ostern nach Sevilla gefahren.
Das stand für sie nie in Frage – Ostern ist in Spanien kein stilles Familienfest, sondern eine ganze Woche: Prozessionen durch die Straßen, Kapuzenmäntel und Weihrauch, die Semana Santa.
Sevilla zur Semana Santa ist eines der eindrücklichsten Dinge, die man sehen kann, und Alba hat es seit ihrer Kindheit jedes Jahr erlebt.
Dieses Jahr bleibt sie.
Nicht weil sie muss – der Flug wäre bezahlbar gewesen, die Zeit auch.
Sondern weil sie möchte.
Weil sie neugierig ist, wie Ostern hier aussieht.
Und weil Priya sie drei Wochen vorher beiläufig in der Küche gefragt hat: „Fährst du an Ostern weg?
Meine Familie macht immer ein kleines Fest – wir würden uns freuen, wenn du kommst.
Alba hat sofort zugesagt.
Dann hat sie ihre Mutter angerufen.
Das Gespräch war länger als erwartet.
¡Alba! Aber die Procesión del Silencio—
Ich weiß, Mamá.
Dein Vater hat extra Plätze reserviert—
Ich weiß, Mamá.
Das ist kein Ostern ohne dich—
Mamá. Ich rufe euch am Ostersonntag an.
Ich verspreche es.
Eine lange Pause.
Dann, mit einem Seufzen, das Alba durch das Handy direkt in die Magengrube spürte: „Bueno.
Aber nächstes Jahr kommst du.
Nächstes Jahr komme ich.
Priyas Familie wohnt in Köln-Nippes – eine Straßenbahnfahrt von der WG entfernt, in einem Reihenhaus mit einem kleinen Garten, in dem an diesem Ostersonntag ein langer Tisch aufgebaut ist.
Priyas Eltern sind Anfang sechzig, beide in Deutschland aufgewachsen, die Eltern ursprünglich aus Gujarat.
Priyas Schwester Meera ist mit ihrem Mann Tobias und zwei kleinen Kindern da – Leni, fünf Jahre alt, und Arjun, drei.
Priyas Mutter – „Bitte nenn mich Sunita“ – empfängt Alba an der Tür mit einem Lächeln und einer Schürze, auf der steht: Grill-Meisterin.
Sie führt Alba in den Garten, wo es bereits nach Fleisch und Frühlingszwiebeln riecht.
Sunita:Wir machen jedes Jahr eine Mischung.
Sunita:Deutsche Ostertradition, indisches Essen, und Meeras Mann bringt immer Osterlamm aus Marzipan mit – er ist aus Sachsen.
Sunita:Dieses Jahr dachte ich: vielleicht bringst du etwas Spanisches?
Alba:Ich habe Torrijas gemacht.
Alba:(hebt eine Dose hoch)
Sunita:Was ist das?
Alba:Spanische Osterspeise.
Alba:Wie French Toast, aber mit Zimt und Zitronenschale.
Alba:In Sevilla isst man sie in der Semana Santa.
Sunita:(probiert, nickt, ruft in Richtung Garten) Raj!
Sunita:Komm mal kurz!
Der Nachmittag verläuft im angenehmen Chaos einer Familie, die sich gut kennt und trotzdem immer etwas zu erzählen hat.
Leni rennt durch den Garten auf der Suche nach Ostereiern.
Arjun sitzt auf dem Boden und hat bereits drei Eier gefunden und eins davon aufgebissen – er hatte nicht gewusst, dass es ein Schokoladenei ist.
Lenis Reaktion darauf ist lautstark.
Alba sitzt zwischen Priya und Meera und lernt dabei beiläufig, wie man auf Deutsch mit kleinen Kindern redet.
Leni:(klettert zu Alba aufs Knie) Bist du die aus Spanien?
Alba:Ja, ich bin Alba.
Alba:Ich wohne mit deiner Tante Priya zusammen.
Leni:Priya sagt, du redest viel.
Alba:(schaut zu Priya) Das hat sie gesagt?
Priya:(schuldiges Lächeln) Ich habe gesagt, du bist sehr...
Priya:lebhaft.
Leni:Was heißt lebhaft?
Alba:Das bedeutet, man redet gerne und bewegt sich gerne.
Alba:(Pause) Das stimmt eigentlich.
Leni:(nickt zufrieden und klettert herunter) Ich bin auch lebhaft.
Meera:Das stimmt leider auch.
Nach dem Essen – Lammbraten nach Tobias' Rezept, Daal von Sunita, Torrijas als Nachtisch – sitzen die Erwachsenen mit Kaffee am Tisch und die Kinder dösen im Haus.
Priyas Vater Raj, ein ruhiger Mann mit trockenem Humor, der Alba den ganzen Nachmittag aufmerksam beobachtet hat, wendet sich ihr zu.
Raj:Priya sagt, du bist jetzt fast zwei Jahre in Köln.
Alba:Ja, genau.
Raj:Und – wie ist es?
Raj:Wirklich.
Alba:(überlegt) Am Anfang...
Alba:sehr fremd. Alles hatte Regeln, die ich nicht kannte.
Alba:Die Sprache, die Bürokratie, der Müll.
Alba:(lacht) Besonders der Müll.
Raj lacht – ein kurzes, echtes Lachen.
Alba:Aber jetzt... (schaut sich am Tisch um) Irgendwann habe ich aufgehört, Köln als den Ort zu sehen, wo ich gerade wohne.
Alba:Es ist einfach, wo ich bin.
Raj:Das kenne ich. (Pause) Wir sind 1988 nach Deutschland gekommen.
Raj:Meine Frau und ich.
Raj:Auch mit Koffern und ohne zu wissen, wie alles funktioniert.
Raj:(lächelt) Der Müll war auch für uns eine Herausforderung.
Sunita:Raj hat im ersten Jahr zweimal die falsche Tonne benutzt.
Sunita:Der Nachbar hat eine Notiz an die Tür gehängt.
Raj:Eine sehr ausführliche Notiz.
Alba:Das klingt sehr deutsch.
Raj:Das war sehr deutsch.
Raj:(hebt seinen Kaffee) Aber hier sitzen wir.
Raj:Sechsunddreißig Jahre später.
Alba hebt auch ihren Becher.
Sie sagt nichts.
Manchmal reicht das.
Am Abend, auf dem Heimweg in der fast leeren Ostersonntag-Straßenbahn, ruft Alba Liam an.
Sie hat vorher ihre Mutter angerufen – das Gespräch war warm und lang und endete damit, dass ihre Mutter ihr das Torrijas-Rezept schickte, weil sie sicher war, dass Alba es nicht richtig gemacht hatte.
(Sie hatte es richtig gemacht. Aber das muss man manchen Müttern nicht sagen.)
Liam:Frohe Ostern! Wie war es bei Priyas Familie?
Alba:Sehr schön. Sehr bunt – Lammbraten, indisches Daal, meine Torrijas, Marzipan-Osterlamm aus Sachsen.
Alba:Und zwei Kinder, die durch den Garten gerannt sind.
Liam:Das klingt wie ein sehr deutsches Ostern.
Alba:Es war ein sehr deutsches Ostern.
Alba:Aber nicht das aus dem Lehrbuch – das echte.
Alba:Raj und Sunita sind 1988 hierhergekommen.
Alba:Sechsunddreißig Jahre.
Alba:Und trotzdem haben sie erzählt, wie der Nachbar eine Notiz wegen der falschen Mülltonne an die Tür gehängt hat.
Liam:(lacht) Das ist unvermeidlich.
Alba:Es hat mich an etwas erinnert.
Alba:(Pause) Ich hatte manchmal das Gefühl, ich bin die Erste, die das alles erlebt – das Fremdheitsgefühl, die Fehler, das langsame Ankommen.
Alba:Aber das stimmt nicht.
Alba:Das machen Menschen hier schon seit Jahrzehnten.
Alba:Jeder mit seinem Koffer, seiner Sprache, seinen Fehlern.
Liam:Und seiner Mülltonne.
Alba:Und seiner Mülltonne.
Alba:(lacht) Wie war dein Ostern?
Liam:Ruhig. Sehr ruhig.
Liam:Jasmin hatte recht – Ostern in Deutschland ist wirklich still.
Liam:Ich habe einen langen Spaziergang gemacht, Brötchen vom Bäcker geholt und am Nachmittag mit meiner Mum telefoniert.
Alba:Hat sie gefragt, ob du genug isst?
Liam:Natürlich.
Alba:Und?
Liam:Ich esse genug.
Alba:Gut. (Pause) Liam, darf ich dir etwas sagen?
Liam:Natürlich.
Alba:Ich bin froh, dass ich dieses Jahr hiergeblieben bin.
Alba:Nicht statt Sevilla – Sevilla bleibt Sevilla.
Alba:Aber... zusätzlich.
Alba:Als wäre Ostern jetzt größer geworden.
Liam:Das ist ein schöner Gedanke.
Alba:Raj hat das heute gesagt.
Alba:Nicht so, aber so ähnlich.
Alba:(Pause) Gute Nacht, Liam.
Alba:Frohe Ostern.
Liam:Frohe Ostern, Alba.
Die Straßenbahn hält.
Alba steigt aus.
Die Aprilluft riecht nach Regen und frischem Gras, und die Keplerstraße liegt still vor ihr – Köln an einem Feiertag, leer und vertraut.
Ein bisschen wie zu Hause, denkt sie.
Und diesmal muss sie nicht nachdenken, ob das reicht.
Es reicht.
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