Alba besucht München (2/3)
Alba Münih'i ziyaret ediyor (2/3)
Liam, Alba’ya yağmurla başlayıp güneşle devam eden bir nisan gününde Münih’i gezdirir; İngiliz Bahçesi, Isar ve yerel gelenekleri tanıdığı bir bira bahçesi bunlara dahildir. Akşam ise ikisi de son iki yılda nasıl değiştiklerini konuşur ve Münih’in onlar için artık sadece bir yaşama yeri olmadığını fark eder.

Hikaye
Der Samstag beginnt mit Regen.
Nicht viel – ein leichtes, hartnäckiges Nieseln, das München im April manchmal schickt, als hätte die Stadt vergessen, dass es eigentlich Frühling ist.
Liam hat das Frühstück vorbereitet: Brötchen vom Bäcker an der Ecke, Butter, Marmelade, eine Kanne Kaffee.
Alles ordentlich aufgereiht auf dem kleinen Küchentisch.
Alba kommt aus dem Badezimmer, schaut aus dem Fenster, schaut auf den Tisch, schaut wieder aus dem Fenster.
Alba:Es regnet.
Liam:Ja.
Alba:Und du hast Brötchen geholt.
Liam:Der Bäcker macht um sieben auf.
Alba:Es ist Samstag.
Liam:Ich weiß.
Alba setzt sich und nimmt ein Brötchen.
Sie sagt nichts weiter darüber, aber Liam bemerkt, dass sie zweimal isst.
Der Regen hört gegen neun Uhr auf.
Danach: blauer Himmel, Aprilsonne, Kastanienbäume, die noch tropfen.
München nach dem Regen ist, wie Liam ihr erklärt, auf eine eigene Art besonders schön.
Alba:Das sagst du wie ein Münchner.
Liam:Basst scho.
Alba:¡Ay!
Der Englische Garten ist an einem Aprilsamstag das, was er immer ist: riesig, grün, voller Menschen, die froh sind, nach dem langen Winter wieder draußen zu sein.
Liam führt Alba vom Südeingang herein – am Haus der Kunst vorbei, dann den breiten Weg entlang, der sich in den Park hineinzieht.
Alba schaut sich um und schweigt erst einmal.
Das passiert selten.
Liam:Na?
Alba:Ich dachte, es ist ein Park.
Alba:Das ist kein Park.
Alba:Das ist ein Wald.
Liam:Dreihundertsiebzig Hektar.
Alba:Was?
Liam:Dreihundertsiebzig Hektar, genauer gesagt.
Liam:Größer als der Central Park in New York.
Alba:(schaut ihn an) Woher weißt du das?
Liam:Thomas hat es mir erzählt.
Liam:Er ist stolz darauf.
Alba:Natürlich ist er das.
Alba:(schaut wieder in den Park) Und das liegt mitten in der Stadt?
Liam:Mitten in der Stadt.
Sie gehen tiefer in den Park.
An einer Biegung im Weg hört man es plötzlich: das leise Rauschen der Isar.
Liam führt Alba zur Brücke, und sie stehen eine Weile und schauen auf das türkisblaue Wasser, das schnell und kalt über Steine schießt.
Alba:Das ist... das ist sehr schön, Liam.
Liam:Ja.
Alba:Und das ist die Isar?
Alba:(kurze Pause, dann mit einem kaum unterdrückten Lächeln) Das ist kein Bach.
Liam:(trocken) Ich erinnere mich an dein Urteil aus Köln.
Alba:Ich habe nichts gesagt.
Liam:Du hast es gedacht.
Alba:¡Claro que sí. (lacht) Es ist schön.
Alba:Ich nehme alles zurück.
Der Biergarten im Englischen Garten – der Biergarten, der größte der Welt, wie Liam sachlich anmerkt – ist am Samstagnachmittag gut besucht.
Sie finden einen Platz an einem langen Holztisch, am Rand, unter einer Kastanie.
Liam holt für beide an der Theke: eine Maß Weißbier für Alba, eine Maß Helles für sich.
Alba schaut auf das hohe, schlanke Glas mit dem trüben, honigfarbenen Bier.
Alba:Das ist viel.
Liam:Ein Liter.
Alba:Das weiß ich. Das ist trotzdem viel.
Liam:Trink langsam. Dazu gibt es Brezn.
Er hat auch eine Brezn mitgebracht – und Obatzda, den er extra erklärt, bevor Alba fragt.
Liam:Das ist Obatzda.
Liam:Gewürzter Camembert mit Butter.
Liam:Man spricht es Obazda aus.
Liam:Man isst es mit der Brezn.
Alba:(nimmt eine Brezn, taucht sie in den Obatzda, isst) ...
Liam:Gut?
Alba:Warum hast du mir das nicht früher gebracht?
Alba:Mitgebracht.
Liam:Du warst vorher nie hier.
Alba:Das ist deine Schuld.
Liam:Du hast es hinausgezögert.
Alba:Wir haben es beide hinausgezögert.
Alba:(taucht die Brezn noch einmal ein) Das spielt keine Rolle mehr.
Neben ihnen sitzen nach einer Weile zwei ältere Münchner – ein Mann und eine Frau, beide mit der entspannten Selbstverständlichkeit von Menschen, die hier schon hundert Mal gesessen haben.
Der Mann nickt Liam zu.
Liam nickt zurück.
Alba:(leise zu Liam) Kennen die dich?
Liam:Nein. Das macht man hier einfach.
Alba:Im Biergarten grüßt man sich?
Liam:Im Biergarten setzt man sich zu Fremden und redet mit ihnen.
Liam:Das habe ich vor fast zwei Jahren gelernt.
Alba schaut zum älteren Paar.
Der Mann lächelt sie an.
Sie lächelt zurück.
Älterer herr:Erstes Mal im Biergarten?
Alba:Ja. Ich wohne in Köln.
Älterer herr:(nickt anerkennend) Schöne Stadt, Köln.
Älterer herr:Laut. Aber schön.
Alba schaut Liam an.
Liam schaut sie an.
Sie sagen beide nichts – aber sie denken dasselbe.
Das hat jemand schon einmal gesagt.
Am Abend, nach einem Mittagessen, das sich bis in den frühen Nachmittag gezogen hat, und einem langen Spaziergang zurück durch Schwabing, sitzen Liam und Alba in seiner Küche.
Liam hat Tee gemacht – Earl Grey, weil Alba neugierig war –, und die Stimmung ist die von zwei Menschen, die einen guten Tag hatten und ihn noch nicht beenden wollen.
Alba:Liam, darf ich dich etwas fragen?
Liam:Natürlich.
Alba:Wenn du jetzt zurückschaust – auf die letzten fast zwei Jahre.
Alba:Was hat sich am meisten verändert?
Alba:An dir, meine ich.
Liam denkt nach.
Er trinkt einen Schluck Tee, schaut auf die Tasse, schaut dann Alba an.
Liam:Ich entschuldige mich seltener.
Alba:(lacht) Das stimmt.
Alba:Mir ist das auch aufgefallen.
Liam:In England – und am Anfang hier auch – habe ich mich für Dinge entschuldigt, die gar keine Entschuldigung brauchten.
Liam:Für das Wetter.
Liam:Für Verspätungen, die ich nicht verursacht habe.
Liam:Dafür, dass ich am Tisch saß und jemand anderem im Weg war.
Liam:(Pause) Das habe ich abgelegt.
Liam:Teilweise.
Alba:Teilweise.
Liam:Ich bin Engländer.
Liam:Ganz ablegen ist nicht möglich.
Alba:(lacht) Und was noch?
Liam:Ich... schaue mehr hin.
Liam:Früher bin ich durch Städte gegangen und habe die Route gesehen.
Liam:Jetzt sehe ich die Menschen, die Häuser, die kleinen Unterschiede.
Liam:In Hamburg war das genauso wie hier und in Köln – überall lernt man etwas anderes, wenn man wirklich schaut.
Er schaut sie an.
Liam:Und du?
Alba:Ich übersetze weniger im Kopf.
Alba:Das war mein Vorsatz, erinnerst du dich?
Alba:An Silvester.
Liam:Weniger im Kopf übersetzen, mehr einfach sagen.
Alba:Genau. Ich mache das immer noch manchmal – bei schwierigen Wörtern, bei formellen Situationen.
Alba:Aber in normalen Gesprächen...
Alba:ich denke nicht mehr zuerst auf Spanisch und dann auf Deutsch.
Alba:Ich denke manchmal direkt auf Deutsch.
Liam:Das ist ein großer Schritt.
Alba:Ja. (Pause) Und ich habe Freunde gefunden.
Alba:Echte Freunde. Mona, Jasmin, Yara.
Alba:Menschen, die ich hier gefunden habe und nicht mitgebracht habe.
Alba:(schaut ihn an) Das war schwerer als die Sprache.
Liam:Ja. Das glaube ich.
Alba:Was war das Schwerste für dich?
Alba:Im zweiten Jahr?
Liam:(überlegt lange) Der Moment in Hamburg, als ich vor der Speicherstadt stand und dachte: Das würde ich Alba gerne zeigen.
Liam:Nicht weil das schwer war – sondern weil ich gemerkt habe, wie sehr sich mein Leben hier verankert hat.
Liam:München ist nicht mehr der Ort, wo ich wohne.
Liam:Es ist der Ort, von dem aus ich reise.
Liam:Von dem aus ich Dinge sehe.
Liam:Das ist ein Unterschied.
Alba schaut ihn an.
Alba:Das ist ein sehr schöner Satz.
Liam:Er hat eine Weile gedauert.
Alba:(lacht leise) Die besten schon.
Alba:(Pause) Liam – ich komme wieder nach München.
Alba:Das ist keine Pflicht mehr.
Alba:Das ist ein Wunsch.
Liam:Das freut mich.
Alba:Und du kommst nach Köln.
Liam:Das ist auch ein Wunsch.
Alba:Gut. (steht auf, gähnt) Morgen Nymphenburg?
Liam:Morgen Nymphenburg.
Liam:Und eine Wirtschaft zum Mittagessen.
Alba:Gibt es da auch Obatzda?
Liam:In jeder ordentlichen Wirtschaft.
Alba:Dann bin ich dabei.
Alba:Gute Nacht, Liam.
Liam:Gute Nacht, Alba.
Sie geht ins Wohnzimmer.
Liam räumt die Tassen weg, schaltet das Licht aus.
Draußen ist München still – die Kastanien vor dem Fenster rauschen leise im Nachtwind, und irgendwo in der Ferne fährt eine S-Bahn.
Er hat einmal gedacht, dass er Deutschland nie wirklich verstehen würde.
Jetzt denkt er: Vielleicht versteht man ein Land nie ganz.
Aber man kann anfangen, es zu lieben – die Eigenarten, die Regeln, das Bier, die Stille nach dem Regen.
Basst scho, denkt er.
Und geht schlafen.
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