B1.1Эпизод

Alba besucht München (1/3)

Альба посещает Мюнхен (1/3)

Альба приезжает к Лиаму в Мюнхен, где он показывает ей город, свою аккуратную квартиру и баварский ужин. В конце она радуется, что наконец-то добралась, и с нетерпением ждет Английский сад и пивной сад на следующий день.

Альба посещает Мюнхен (1/3)
0:00 / 0:00

История

Es ist Mitte April, und Alba steht am Münchner Hauptbahnhof.

Das hat eine Weile gedauert.

Seit Dezember haben sie es geplant, verschoben, wieder geplant – Karneval kam dazwischen, dann Hamburg, dann die Steuererklärung, dann der VHS-Kurs.

Aber jetzt ist sie da, mit einem Rucksack, einer Reisetasche, neuen Wanderschuhen – gekauft, wie versprochen, eine Woche nach dem Drachenfels – und dem leichten Kribbeln im Bauch, das man hat, wenn man eine vertraute Stadt zum ersten Mal betritt.

Liam hat ihr vor zwei Tagen eine Liste geschickt.

Natürlich. Eine Liste.

Programm für Albas München-Besuch:

Freitag: Ankunft, Schwabing, Abendessen

Samstag: Englischer Garten, Biergarten, evtl.

Isar

Sonntag: Nymphenburg, Wirtschaft, Rückfahrt

Darunter, in Klammern: (Liste kann jederzeit angepasst werden.)

Alba hat das als gutes Zeichen gewertet.

Liam mit Klammern ist Liam auf dem Weg zur Entspannung.

Sie kommt pünktlich an – fast pünktlich, zwölf Minuten Verspätung, was für die Deutsche Bahn in diesem Jahr einem kleinen Wunder gleichkommt.

Als sie auf den Bahnsteig tritt, sieht sie ihn sofort: Liam, am Ende des Bahnsteigs, in einem ordentlichen Hemd.

Alba:(von Weitem) Die Krawatte hast du diesmal weggelassen!

Liam:(lacht) Ich lerne.

Liam zeigt ihr den Weg zu Fuß – durch die Innenstadt, vorbei an der Frauenkirche, durch die Kaufingerstraße, dann nordwärts in Richtung Schwabing.

Alba schaut sich um wie jemand, der gleichzeitig alles aufnehmen und nichts verpassen will.

Alba:Es ist... anders als ich erwartet habe.

Liam:Inwiefern?

Alba:Ordentlicher. Die Straßen sind breiter.

Alba:Die Häuser sind...

Alba:gepflegter. Alles ist ein bisschen— (sucht das Wort) —symmetrischer als in Köln.

Liam:Das ist München.

Liam:Hier mag man Symmetrie.

Alba:Das klingt nach dir.

Liam:Ich bin kein Münchner.

Alba:Du bist ein bisschen Münchner geworden.

Liam überlegt. Dann nickt er, fast widerwillig.

Liam:Vielleicht ein bisschen.

In Schwabing bleibt Alba vor einem Café stehen, schaut in das Schaufenster und dann die Straße entlang – die Platanen, die gerade austreiben, die Gründerzeitfassaden, die Fahrräder an jedem zweiten Laternenmast.

Alba:Das ist schön hier.

Alba:Wirklich schön.

Liam:Warte, bis du den Englischen Garten siehst.

Alba:Ich warte. (dreht sich zu ihm) Zeig mir zuerst deine Wohnung.

Liams Wohnung in der Schwabing-Seitenstraße ist so, wie Alba sie sich vorgestellt hat: ordentlich, ruhig, ein Bücherregal, das vollständig alphabetisch sortiert ist – das stellt sie sofort fest –, eine Küche, in der alles seinen Platz hat, und auf dem Fensterbrett ein einzelner Kaktus.

Alba:Ein Kaktus.

Liam:Er braucht wenig Wasser.

Liam:Das ist praktisch.

Alba:Er ist auch etwas einsam.

Liam:Er wirkt zufrieden.

Alba schaut den Kaktus an.

Dann Liam. Dann wieder den Kaktus.

Alba:Du identifizierst dich mit dem Kaktus.

Liam:Das ist eine sehr gewagte Interpretation.

Alba:¡Claro que sí.

Sie lacht. Liam schüttelt den Kopf, aber er lächelt.

Abends gehen sie in ein kleines Restaurant in Schwabing – keine Wirtschaft, das kommt morgen, hatte Liam gesagt, aber ein gutes bayerisches Lokal, empfohlen von Thomas.

Alba bestellt einen Schweinsbraten, weil Liam sagt, den muss man probiert haben, und liest die Speisekarte aufmerksamer als nötig.

Alba:Was ist ein Semmelknödel?

Liam:Ein Knödel aus altem Brot.

Liam:Er wird mit der Soße gegessen.

Alba:Aus altem Brot?

Liam:Das klingt schlechter, als es ist.

Liam:Es ist eigentlich sehr gut.

Alba:Das sagst du über viele Dinge hier.

Liam:Weil es stimmt.

Der Schweinsbraten kommt.

Alba isst einen Bissen.

Dann noch einen.

Dann schaut sie Liam an.

Alba:Das ist sehr gut.

Liam:Das sagst du jetzt auch.

Alba:Weil es stimmt.

Alba:(Pause) Aber ich werde es Jasmin nicht erzählen.

Alba:Sie denkt, ich esse in München nur Brezn.

Nach dem Essen gehen sie zu Fuß durch das abendliche Schwabing zurück.

Die Luft ist kühl und nach Frühling, die Kastanien blühen gerade, und auf einer Querstraße spielt jemand Gitarre, die Melodie weit genug entfernt, um angenehm zu sein.

Alba:(hält kurz inne) Liam.

Liam:Ja?

Alba:Ich bin froh, dass ich endlich hier bin.

Liam:Ich auch. (kurze Pause) Es war lange überfällig.

Alba:Überfällig. Das ist ein gutes Wort.

Liam:Das Wort habe ich von dir gelernt.

Liam:Du hast es benutzt, als du über die Steuererklärung geredet hast.

Alba:(lacht) Ja.

Alba:Das war ein überfälliges Gespräch.

Alba:(Pause) Morgen der Englische Garten?

Liam:Morgen der Englische Garten.

Liam:Und ein richtiger Biergarten.

Alba:Mit Maß?

Liam:Mit Maß. Weißbier, wenn du möchtest.

Alba:Was ist der Unterschied?

Liam:Weißbier ist heller, fruchtiger, wird im hohen Glas serviert.

Liam:Das ist das typisch Bayerische.

Liam:Das andere – das Helle – ist klarer, leichter.

Alba:Und was empfiehlst du?

Liam:Weißbier. Für das erste Mal.

Alba:Erstes Mal.

Liam:Erstes Mal. Danke.

Alba:Dafür bin ich da.

Alba:(lacht) Gute Nacht, Liam.

Liam:Gute Nacht, Alba.

Liam:Das Sofa ist frisch bezogen.

Alba:Ist es länger als das in Köln?

Liam:Zehn Zentimeter länger.

Liam:Ich habe nachgemessen.

Alba schaut ihn an.

Alba:Du hast das Sofa nachgemessen.

Liam:Nach deinem Besuch in Köln habe ich es nachgemessen.

Liam:Ja.

Alba:(einen Moment still, dann leise) Das ist das Netteste, was du je für mich getan hast.

Liam:Es waren nur zehn Zentimeter.

Alba:Trotzdem.

Später, Alba schon auf dem Sofa, schreibt sie Jasmin eine kurze Nachricht:

Bin in München, der Schweinsbraten war gut, sag das niemandem.

Jasmins Antwort kommt nach einer Minute: „Verräter!“ Und dann: „Aber schön, dass du da bist – ¡Buenas noches!

Alba legt das Handy weg und schaut an die Decke von Liams Wohnzimmer.

Irgendwo tickt eine Uhr – natürlich hat Liam eine echte Uhr –, und draußen ist München still auf eine Art, die sich von Kölns Stille unterscheidet.

Ruhiger, geordneter, symmetrischer, wie sie heute gesagt hat.

Nicht schlechter, nur anders.

Das klingt vertraut, denkt sie.

Das hat Liam damals auch über Köln gesagt.

Sie schließt die Augen.

Morgen: Englischer Garten, Biergarten, Maß Weißbier.

Vamos, denkt sie.

München.

Тест на понимание