Besuch aus Spanien
Visita da Espanha
A mãe e a irmã de Alba a visitam em Colônia, e Alba precisa conciliar o calor da família espanhola com as regras da sua república alemã. No fim, a mãe aceita que Colônia também é agora a casa de Alba, e Alba percebe que finalmente se estabeleceu.

História
Albas Mutter hat seit zwei Jahren darauf gewartet.
Nicht ungeduldig – Carmen Serrano ist eine Frau, die weiß, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen – aber bestimmt.
Seit Albas Ankunft in Köln hat sie jeden Monat gefragt: „¿Cuándo vengo a visitarte?“ Wann darf ich dich besuchen?
Alba hatte immer einen Grund gehabt: die Wohnung noch zu unfertig, die Sprache noch zu unsicher, die Arbeit zu stressig, der Karneval zu chaotisch.
Jetzt sind die Ausreden aufgebraucht.
Carmen kommt. Mit Albas Schwester Lucía, zweiundzwanzig Jahre alt, Jurastudentin, noch nie in Deutschland gewesen, der Meinung, dass Deutschland kalt und ernst ist und man das Beste draus machen muss.
Sie kommen am Freitagabend an.
Sie bleiben eine Woche.
Jonas weiß das.
Alba hat es ihm drei Wochen vorher gesagt, förmlich und vollständig: Anzahl der Gäste, Dauer des Aufenthalts, Schlafplatzbedarf.
Jonas hat genickt und nach einem Moment des Schweigens gesagt: „Ich mache das Sofa frei.
Deine Schwester kann dort schlafen.
Deine Mutter bekommt mein Zimmer.
Alba hatte ihn angeschaut.
„Du gibst dein Zimmer ab?
Eine Mutter schläft nicht auf dem Sofa.
Das ist selbstverständlich.
Manchmal versteht Alba Jonas besser als gedacht.
Freitag: Die Ankunft
Der Zug vom Flughafen kommt um neunzehn Uhr zwanzig.
Alba steht auf dem Bahnsteig und sieht ihre Mutter zuerst – Carmen, klein, energisch, mit zwei zu großen Koffern, die sie zieht, als wären sie leer, und einem Ausdruck, der sagt: Endlich.
Sie umarmen sich so lange, dass die Leute drumherum einen Bogen machen.
Carmen:(auf Spanisch, Albas Ohr) Du bist dünner geworden.
Alba:Mamá, ich bin nicht dünner.
Carmen:Du isst nicht genug.
Carmen:Das sehe ich.
Lucía:(schultert ihren Rucksack) Sie isst genug, Mamá.
Lucía:Sie sieht gut aus.
Lucía:(zu Alba) Du siehst gut aus.
Alba:Danke, Lucía.
Carmen:Sie sieht gut aus, aber dünner.
Das ist, denkt Alba, bereits vollständig ihre Mutter.
In der Wohnung wartet Jonas in der Küche, formell, aber freundlich, mit einer Flasche Wein auf dem Tisch – er hat extra eingekauft, ohne dass Alba ihn darum gebeten hat.
Jonas:Herzlich willkommen.
Jonas:Ich bin Jonas.
Carmen:(auf Spanisch zu Alba) Was sagt er?
Alba:Er heißt Jonas und heißt euch willkommen.
Carmen:(zu Jonas, langsam und laut, als würde das helfen) Gra-ci-as.
Jonas:(kurze Pause) Das ist Spanisch für Danke.
Alba:Ja.
Jonas:Ich weiß ein paar Wörter.
Jonas:(zu Carmen, mit bayerischem Akzent, aber erkennbarem Spanisch) Bienvenida.
Carmen strahlt.
Das hat Jonas nicht erwartet – aber es ist das Richtige.
Samstag: Köln
Alba spielt Stadtführerin.
Das kennt sie inzwischen – sie hat es mit Liam geübt.
Aber Liam war geduldig und neugierig.
Carmen ist begeistert und lautstark.
Lucía fotografiert alles.
Am Dom bleiben sie stehen.
Carmen:(schaut nach oben) „¡Dios mío!
Carmen:Das ist sehr groß.
Alba:Neunhundert Jahre alt.
Carmen:In Sevilla haben wir auch eine große Kathedrale.
Alba:Ich weiß, Mamá.
Carmen:Die ist auch schön.
Alba:Die ist wunderschön.
Carmen:(nickt zufrieden) Gut.
Lucía fotografiert den Dom, dann sich selbst vor dem Dom, dann Carmen vor dem Dom, dann alle drei zusammen mit Hilfe eines freundlichen Touristen.
Dann stellt sie fest, dass der Dom als Hintergrund im Querformat besser aussieht, und macht alles noch einmal.
Am Büdchen treffen sie Günter.
Günter:Die Spanierin hat Besuch!
Günter:(streckt die Hand aus) Günter.
Carmen:(schüttelt die Hand, zu Alba) Wer ist das?
Alba:Das ist Günter.
Alba:Er kennt alles, was in der Nachbarschaft passiert.
Carmen:(auf Spanisch) Wie eine Señora del barrio.
Alba:(lacht) Ja.
Alba:Genau wie das.
Dienstag: Die Hausordnung
Das Problem entsteht, wie Probleme in WGs entstehen, unauffällig.
Carmen hat gekocht – ein vollständiges Abendessen für alle, inklusive Jonas und Priya, die beide überrascht und dann dankbar waren.
Dazu hat sie die Küche in einem Zustand hinterlassen, der einer spanischen Familienküche entspricht: genutzt, duftend, vollständig und mit einem halben Stundenbedarf zum Aufräumen.
Jonas hat um zweiundzwanzig Uhr dreißig einen Zettel an den Kühlschrank gehängt.
Alba findet ihn morgens früh: „Liebe Carmen und Lucía, es wäre schön, wenn die Küche nach dem Kochen gereinigt werden könnte.
Die Hausordnung sieht vor ...
(weitere zwei Sätze)
Sie seufzt.
Dann übersetzt sie den Zettel ins Spanische.
Dann übersetzt sie das Spanische wieder ins Deutsche und streicht die Hälfte durch.
Dann schreibt sie einen neuen Zettel:
Jonas meint, er würde sich freuen, wenn wir die Küche zusammen aufräumen – er hilft gerne dabei.
Das ist nicht ganz das, was Jonas geschrieben hat.
Aber es ist das, was er gemeint haben könnte, wenn er freundlicher formuliert hätte.
Sie zeigt ihrer Mutter den neuen Zettel.
Carmen liest ihn.
Carmen:(auf Spanisch) Was ist das?
Alba:Das ist ... die Art, wie man hier Dinge regelt.
Carmen:Mit Zetteln?
Alba:Mit Zetteln.
Carmen schaut auf den Zettel.
Dann nickt sie mit der Haltung einer Frau, die vieles erlebt hat und sich entschieden hat, noch mehr zu ertragen.
Carmen:Gut. Dann räumen wir auf.
Und dann räumt Carmen die Küche auf – gründlicher, als Jonas es je getan hat, was Liam, wenn er es erfahren hätte, very interesting gefunden hätte.
Donnerstag: Der Brief
Am vorletzten Abend sitzen Alba und ihre Mutter allein in Albas Zimmer.
Lucía ist mit Priya ausgegangen – die beiden haben sich schnell angefreundet, vereint durch das geteilte Schicksal, mit zu lebhaften Menschen zusammenzuwohnen.
Carmen hält Albas Kaffeetasse in den Händen, obwohl der Kaffee längst kalt ist.
Carmen:(auf Spanisch) Alba.
Carmen:Du bist glücklich hier.
Alba:Ja.
Carmen:Das sehe ich. Ich wollte es dir sagen.
Alba:Mamá—
Carmen:Lass mich. (kurze Pause) Als du gegangen bist, hatte ich Angst.
Carmen:Nicht weil du es nicht schaffst – das wusste ich.
Carmen:Sondern weil ich dich vermissen würde.
Carmen:Und ich vermisse dich.
Carmen:(kurze Pause) Aber ich sehe, wie du durch diese Stadt läufst.
Carmen:Du kennst jeden Winkel.
Carmen:Du redest mit den Menschen.
Carmen:Du hast Freunde, eine Arbeit, ein Leben.
Carmen:(schaut sie an) Das ist nicht meine Stadt.
Carmen:Aber es ist deine.
Alba sagt eine Weile nichts.
Alba:Du weinst nicht, oder?
Carmen:Ich weine nicht.
Alba:Du weinst ein bisschen.
Carmen:(wischt sich kurz die Augen) Das ist der Kölner Regen.
Carmen:Der dringt überall ein.
Alba lacht. Dann lehnt sie sich an ihre Mutter, genau wie früher, und für einen Moment sind die Keplerstraße in Köln-Ehrenfeld und die Calle San Jacinto in Sevilla dasselbe.
Am Freitag, nach der Abreise, sitzt Alba in der stillen Wohnung.
Jonas hat seine Tasche wieder aus dem Sofa geholt und sitzt in der Küche und trinkt Kaffee mit der zufriedenen Ruhe eines Menschen, der eine schwierige Woche gut überstanden hat.
Alba ruft Liam an.
Liam:Wie war die Woche?
Alba:Laut. Warm. Erschöpfend.
Alba:Wunderschön.
Liam:Wie ist Jonas mit allem umgegangen?
Alba:Er hat seiner Mutter sein Zimmer gegeben.
Alba:Ohne zu fragen.
Liam:Das hätte ich nicht erwartet.
Alba:Ich auch nicht.
Alba:Er hat auch einen Zettel an den Kühlschrank gehängt, wegen der Küche.
Liam:Das hätte ich erwartet.
Alba:(lacht) Ja.
Alba:Ich habe ihn übersetzt.
Alba:Etwas freier.
Liam:Indirekter Diskurs.
Alba:Genau. Aber er hat das Richtige gemeint.
Alba:Er wollte nur nicht unhöflich wirken.
Liam:Das kenne ich.
Alba:Ich weiß. (Pause) Liam, meine Mutter hat mir am letzten Abend etwas gesagt: Dass sie sieht, dass ich hier glücklich bin.
Alba:Und dass das zwar nicht ihre Stadt ist – aber meine.
Liam:(ruhig) Das ist viel.
Alba:Ja. Von ihr ist das sehr viel.
Alba:(Pause) Sie hat auch geweint.
Alba:Aber das bestreitet sie.
Liam:Meine Mum weint auch immer bei Flughäfen und bestreitet es dann.
Alba:Mütter. (kurze Pause) Liam, ich wollte dir etwas sagen.
Liam:Was?
Alba:Ich habe diese Woche gemerkt, wie sehr sich etwas verändert hat.
Alba:Ich habe meine Mutter durch Köln geführt und ihr erklärt: Das ist das Büdchen, das ist der Dom, da drüben wohnt Günter, hier ist der Markt, das ist Kölsch, das ist ein Halver Hahn, das ist Jonas.
Alba:Ich habe ihr mein Leben erklärt.
Alba:Und ich kannte es auswendig.
Liam:Das klingt nach jemandem, der angekommen ist.
Alba:Ja. (lange Pause) Zwei Jahre.
Alba:Das reicht für ein zweites Zuhause.
Liam:(nach einem Moment) Ja.
Liam:Das reicht.
Eine ruhige Stille – die Art, die keine Lückenfüller braucht.
Alba:Gute Nacht, Liam.
Liam:Gute Nacht, Alba.
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